Roulette-Systeme: Gibt es beim Roulette eine Taktik?

Mehr als bei jeder anderen Art von Glücksspiel basiert beim Roulette der Erfolg eines einzelnen Spielers auf dem Zufall – mit anderen Worten: Roulette ist ein echtes Glücksspiel.

Nichtsdestotrotz wird in vielen vermeintlichen Ratgebern bei Roulettespielern die Hoffnung geweckt, den Ausgang des Spiels tatsächlich kontrollieren zu können. Wir haben uns des Themas der Roulette-Taktiken objektiv angenommen und stellten dabei schnell fest, dass eine Taktik beim Roulette schlicht nicht möglich ist.

Wir verraten, warum jegliche Versuche dieser Art ins Leere führen, und warum Sie vermeintlichen Glücksspiel-Experten nicht über den Weg trauen sollten.

Finger weg von Roulette-Ratgebern

In vielen Video-Tutorials, insbesondere auf dem Videoportal YouTube wird mit vermeintlich erfolgsversprechenden Roulette-Taktiken geworben. In diesen heißt es beispielsweise, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zahl zweimal hintereinander gezogen werde, sinke. Anhand dieser falschen Annahme wird dann geraten, bereits gezogene Zahlen zu meiden.

Mathematisch gesprochen ist diese Annahme jedoch ein Trugschluss. Denn bereits die einfachste Schulmathematik lehrt uns, dass das Ergebnis einer Runde keinerlei Einfluss auf das Ergebnis der nächsten Runde hat. Dies ist damit zu begründen, dass jede Spielrunde stochastisch als singuläres Ereignis zu betrachten ist, da die Kugeln nicht zurückgelegt werden. Sprich: Die Wahrscheinlicht, dass 100 Mal hintereinander die 37 gezogen wird, ist genauso hoch wie jede andere Wahrscheinlichkeit. Denn die Wahrscheinlichkeit für jede Runde muss für sich als Einzelereignis berechnet werden.

Ebenso verhält es sich mit den Farben: Die Wahrscheinlicht dass Rot oder Schwarz gezogen werden, beträgt in jeder Runde unverändert 49,325 %.

Sollte in einem Video also gezeigt werden, dass das Roulettespiel anhand solcher Annahmen tatsächlich zum Erfolg führt, handelt es sich in jedem Fall um gefälschte Software oder betrügerische Videos.

Mehr noch: Betrüger können leichtgläubige Spieler sogar dazu bringen, ihnen tatsächlich Geld für vermeintliche Beratung zu zahlen. Oder aber sie kassieren bei einem Online-Casino Prämien für das Anwerben neuer Kunden.

Martingale und Co. – warum es keine Taktik gibt

Basierend auf der Annahme, dass jede neu gespielte Runde Roulette ein einzelnes stochastisches Ereignis mit gleichbleibender Wahrscheinlichkeit ist, wird schnell ersichtlich, dass jedweder Spielausgang allein den Gesetzen der Stochastik unterliegt.

Um unsere Aussagen zu belegen, wollen wir im Anschluss objektive Beweise für unsere Aussage liefern. Nicht, weil wir von unseren Thesen überzeugt sind, sondern ganz einfach, weil sie rational zu beweisen sind.

Martingale

  • Vorteile: Einfaches Prinzip
  • Nachteile: Einsätze steigen rasant

Die Martingale-Taktik folgt dem Prinzip, mit jeder Runde den eigenen Einsatz zu verdoppeln. Dies kann über eine gewisse Zeit sogar erfolgreich sein, wenn zwischen Ersteinsatz und dem Moment des ersten Gewinns nicht zu viel Zeit vergeht.

Da die Wahrscheinlichkeit, eine Gewinnzahl zu treffen allerdings immer geringer als zwei Prozent ist, kann mitunter sehr viel Geld verspielt werden, ehe tatsächlich ein Gewinn erzielt wird. Bei 100 Zügen müsste mathematisch gesehen bis zu 51 Züge oder gar noch länger gewartet werden. Das würde selbst bei einem Einsatz von anfänglich einem Euro bedeuten, dass der Einsatz mindestens 51 Mal verdoppelt werden müsste. Diese Taktik würde fast sicher jeden Spieler in den Bankrott treiben.

Auch das Setzen auf Farben ist mit dieser Taktik nicht erfolgreicher, da zum einen auf das Eintreffen der richtigen Farbe gewartet werden muss und zum anderen der Gewinn ebenfalls nur einen Euro beträgt.

Paroli

  • Vorteile: kapitalschonend
  • Nachteile: Gewinne sehr klein

Die Paroli-Strategie folgt sowie die Martingale-Strategie ebenfalls dem System der Verdopplung. Der fundamentale Unterschied zur Martingale-Strategie besteht allerdings darin, dass der Einsatz nicht bei Verlust, sondern bei Gewinn verdoppelt wird.

Auf den ersten Blick erscheint diese Strategie schonender für den eigenen Geldbeutel, da Gewinne immer netto verbucht werden und der Spieler nicht in Vorleistung treten muss wie bei Martingale.

Da Gewinne im Roulette jedoch weit seltener sind als Verluste, glauben Spieler, die diese Taktik verfolgen, sicher zu fahren, wenn sie nur kleine Einsätze aufbieten und auf einfache Gewinnchancen (gagnantes) setzen.

Dahinter steckt jedoch ein Trugschluss: Denn zum einen ist die Gewinnchance selbst beim ständigen Setzen auf eine Farbe stets geringer als 50 Prozent, und zum anderen wird ein Gewinn, wenn einmal erzielt, gleich wieder eingesetzt und mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit wieder verspielt.

Daher wäre der klügere Schritt der, mit dem erspielten Gewinn vom Tisch aufzustehen, um sich nicht wieder dem Verlustrisiko auszusetzen. Dazu müssten allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein: 1. Es dürfte nur ein einzige Runde gespielt werden und die Runde müsste gewonnen werden. 2. Der Einsatz müsste so hoch sein, dass sich eine Verdopplung finanziell lohnen würde.

Wie die folgende Tabelle zeigt, lässt bereits ein Verlust das eigene Guthaben ins Minus rutschen:

Marches

  • Vorteil: Risiko bleibt gleich
  • Nachteil: Gewinnchance steigt nicht

Die Marches-Taktik folgt der in Ratgebern gerne vertretenen Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zahl zweimal hintereinander auftrete, mit jedem Zug geringer werde. Tatsächlich ist dies aber ein weit verbreiteter Irrglaube.

Denn da jede Runde Roulette unabhängig von der vorherigen und ohne Ausschluss von Zahlen gespielt wird, bleibt auch die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Zahlen und Ereignisse konstant gleich. Die Wahrscheinlichkeit, dass 100 Mal in Folge die 25 gezogen wird, ist also genauso groß wie die Wahrscheinlichkeit für die Zahlenfolge 1, 2, 3, 4, 5, 6 usw. Eine Voraussage ist schlichtweg nicht möglich.

Fibonacci-Progression

  • Vorteil: Setzen auf bewährte Zahlenfolge
  • Nachteil: Einsätze steigen nur langsam

Das Prinzip der Fibonacci-Progression folgt der unendlichen Folge natürlicher Zahlen, die in der Fibonacci-Folge ausgedrückt wird (0,11235813…).

Damit beschrieb der italienisch Mathematiker Leonardo Fibonacci um 1202 n. Chr. die Fortpflanzungsrate einer Kaninchenpopulation. Mathematisch ist die Zahl eine unendliche Folge von Additionen (1+1 = 2, 1+2 = 3, 3+5 = 8, 8+13 = 21 usw.).

Aus das Roulette-Spiel übertragen würde dies bedeuten, dass die Einsätze unabhängig von Gewinn oder Verlust kontinuierlich nach der Zahlenfolge stiegen.

Bei mehreren Verlusten hintereinander würde das allerdings bedeuten, dass der Verlust rapide ansteigen würde (1 Euro + 1 Euro + 2 Euro + 3 Euro + 5 Euro + 8 Euro + 13 Euro = 33 Euro Verlust nach sieben Runden). Wird dagegen eine Runde gewonnen, schlägt der erspielte Gewinn nur kurz zu Buche, da der nächste Einsatz Höher ist und bei Verlust gleich wieder ins Minus führt.

Fazit

Es hat sich gezeigt, dass schon allein mathematisch kein Roulette-Spiel nach Taktik möglich, da die Anzahl der Verluste die der Gewinne immer übersteigt und so Gewinne stets zunichtemacht. Die beste Taktik beim Roulette ist daher womöglich die, sich mit einem erspielten Gewinn zufrieden zu geben und kein weiteres Risiko einzugehen.

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